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Erfolg durch Diversität: Frauenpower für die Messebranche

In der Messebranche arbeiten mehr Frauen als Männer. Nur fällt das nicht auf. Unsere Kolleginnen Kirstin Deutelmoser und Birgit Horn wollen das mit Hilfe des Frauennetzwerks WOMEN IN EXHIBITION ändern. Wie genau, erklären Sie im Interview.

Seit genau einem Jahr ist Petra Cullmann Bereichsleiterin der Messe Düsseldorf und damit Mitglied unserer achtköpfigen Geschäftsleitung. Sie ist eine von wenigen Frauen in den Führungsetagen der (deutschen) Messebranche – dass diese bisher sehr männlich dominiert sind, ist kein Geheimnis. Unsere Kolleginnen Kirstin Deutelmoser und Birgit Horn sind zwei von immer mehr Messemenschen, die finden, dass sich das ändern sollte. Kirstin Deutelmoser hat gemeinsam mit Juliane Jähnke von agendum Schmitt & Jaehnke Partners das Frauennetzwerk WOMEN IN EXHIBITIONS (WIE) DACH gegründet. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, wie es zu der Gründung kam und was die Ziele des Netzwerks sind. Außerdem hat uns auch Birgit Horn, die zweite Messe-Düsseldorf-Kollegin bei WIE DACH, erklärt, warum sie dem Netzwerk beigetreten ist und dort gleich als Beiratsmitglied eine aktive Rolle übernommen hat.

Frau Deutelmoser, wie ist die Idee entstanden, ein Frauennetzwerk für die Messebranche zu gründen?

Die Idee eines Frauennetzwerks für die Messebranche stammt von der niederländischen Kollegin Oana Cipca. Ihr ist aufgefallen, wie unsichtbar Frauen in den Panels der meisten Veranstaltungen sind, obwohl in der Messebranche mehr Frauen arbeiten als Männer. Und wie unterrepräsentiert sie in den Führungsetagen der Messebranche sind, vor allem im Top-Management. Wir kannten uns, sie hat mich angesprochen und so war ich bei einem ersten Treffen im Februar 2018 anlässlich der TEFAF Maastricht dabei, bei dem das internationale Netzwerk WOMEN IN EXHIBITIONS gegründet wurde. Schon kurz danach war ich mir mit Juliane Jähnke, der zweiten Deutschen im Gründungsteam, einig, dass wir ein eigenes Chapter für Deutschland brauchen. Ende 2018 haben wir dann WOMEN IN EXHIBITIONS DACH gegründet.

Was ist das Ziel von WOMEN IN EXHIBITIONS? Und warum wollten Sie ein eigenes deutsches Chapter?

K. Deutelmoser: Das Netzwerk will Frauen in der Messebranche auf nationaler und internationaler Ebene miteinander in Kontakt bringen, zum Netzwerken anregen und einen Erfahrungsaustausch in Gang bringen. Wir wollen Frauen Mut machen, sich mit ihrer Arbeit zu zeigen und sie bei der Karriereplanung unterstützen. Letztlich wollen wir dazu beitragen, dass in der Branche mehr Führungspositionen mit Frauen besetzt werden. Das alles gilt national wie international. Im deutschsprachigen Raum ist die Messebranche traditionell anders organisiert als im Rest der Welt, da die Messegesellschaften in der Regel auch die Gelände betreiben und zumeist kommunale Tochterunternehmen sind. Diese Besonderheit berücksichtigen wir in unserer Arbeit und sensibilisieren auch Verbände und Politik für das Thema.

Kirstin Deutelmoser
Kirstin Deutelmoser ist seit Oktober 2005 bei der Messe Düsseldorf. Nach Stationen im Handel und einer Unternehmensberatung stieg sie bei der Leipziger Messe als Projektleiterin für Modethemen in die Messebranche ein. Von da wechselte sie als Projektleiterin für die GDS und die tag it! by GDS zur Messe Düsseldorf, übernahm im April 2017 die Leitung der Abteilung Partner- & Gastveranstaltungen und verantwortet heute zusätzlich auch die Geschäftsentwicklung.

Warum ist Ihnen das persönlich ein Anliegen?

K. Deutelmoser: Genau wie die anderen Frauen in WIE glaube ich an den Erfolgsfaktor Diversität. Es ist erwiesen, dass diverse Führungsteams erfolgreicher sind, weil die Mitglieder unterschiedliche Kompetenzen und Sichtweisen einbringen, die alle auf ihre Weise zur Unternehmenskultur und zum Unternehmenserfolg beitragen. Es war schon 2018 ersichtlich, dass die Messebranche vor großen Veränderungen und Herausforderungen steht. Das hat sich durch die Pandemie noch verstärkt.

Gerade jetzt werden mehr denn je neue Ideen, Ansätze und Formate gebraucht. Diversität und die damit verbundene Vielfalt an Denkweisen und Kompetenzen ist hierfür aus meiner Sicht ein wichtiger Baustein. Ich finde, dass die Messeindustrie dem Faktor Diversität vor allem auf Entscheider-Ebene bisher zu wenig Beachtung geschenkt hat. Auch wenn es bei Diversität natürlich nicht nur um Frauen geht, halte ich es für extrem wichtig, sogenannte weibliche Stärken wie Kommunikations- oder Reflektionsfähigkeit oder eben auch einen Perspektivwechsel durch andere Denkansätze einzubeziehen, um andere Wege zu gehen und die Messeindustrie für die Zukunft zu stärken. Diese Diskussion wollte ich mit anstoßen und in die Branche tragen sowie gleichzeitig mit positiven Impulsen zu einer Veränderung beitragen, um Frauen als ernstzunehmende Meinungsbildner auf Augenhöhe zu positionieren.

Natürlich ist es für mich auch aus beruflicher Sicht spannend und wichtig, mich national und international zu vernetzen. Insofern war das ein weiterer Grund, warum ich sofort von der Idee begeistert war, ein Netzwerk für Frauen zu gründen. Und ich habe schon viele interessante Kontakte über das Netzwerk gewonnen.

Frau Horn, wann und warum sind Sie WOMEN IN EXHIBITIONS DACH beigetreten?

B. Horn: Ich bin in diesem Frühjahr beigetreten, nachdem Kirstin Deutelmoser mir von dem Netzwerk und ihrer Arbeit erzählt hatte. Der Ansatz von WIE hat mich direkt überzeugt: Es geht nicht darum, sich über den Status Quo zu beschweren, sondern konstruktiv an mehr Diversität in der Messebranche zu arbeiten. Auch ich bin davon überzeugt, dass wir ein breiteres Spektrum an Sichtweisen und Fähigkeiten nutzen sollten. Deswegen habe ich mich auch bereit erklärt, Kirstins Posten im Beirat zu übernehmen, als sie mich gefragt hat. Das Thema liegt mir sehr am Herzen und ich möchte mich gerne auch in meiner Freizeit dafür engagieren.

Hätten Sie sich selbst an irgendeinem Punkt in Ihrer Karriere so ein Netzwerk gewünscht?

Ich hatte das Glück, etwas ganz Ähnliches zu erfahren, als ich bei der Messe Düsseldorf als Projektleiterin angefangen habe: Meine Vorgängerin, Marianne Ingenhoven, hat mich hervorragend eingearbeitet und ist für mich eine wichtige Mentorin. Weit über die offizielle Einarbeitungszeit hinaus, in der wir parallel gearbeitet haben, haben wir uns privat getroffen und intensiv ausgetauscht – daraus ist eine Freundschaft entstanden und ich habe fachlich wie menschlich sehr viel von ihr gelernt. Das war ein Geschenk, für das ich sehr dankbar bin und das ich gerne weitergeben möchte. Ich glaube WIE kann ähnlich funktionieren, gerade wenn es uns gelingt, ein Mentoringprogramm mit tragfähigen persönlichen Beziehungen aufzubauen.

Wie hat sich das Netzwerk in den vergangenen Jahren entwickelt?

K. Deutelmoser: Das Netzwerk ist gewachsen: Es gibt aktuell vier Chapter (neben uns UK, USA und Middle East) und weitere sind in Gründung. Natürlich wurden wir nach einem sehr dynamischen und vielversprechenden Start von Corona leider etwas gebremst. Die Messen, an deren Rand wir uns auch auf internationaler Ebene hätten treffen wollen, sind ausgefallen, persönliche Treffen waren nicht mehr möglich. Und einige Formate, wie zum Beispiel eine „Fuck-up Night“, die wir geplant hatten, funktionieren nur als geschlossener Präsenztermin. Anderes geht aber auch online gut: Wir haben auf der DACH-Ebene regelmäßig zum virtuellen Austausch eingeladen und auch international gab es viele virtuelle Formate.

Ganz wichtig war uns auch, dass wir mit einer Befragung im Herbst 2019 das Gefühl, dass Frauen in den Führungsetagen unterrepräsentiert sind, statistisch unterfüttert und belegt haben: Obwohl mehr als 60 Prozent der Beschäftigten der Messewirtschaft weiblich sind, besetzen Frauen 14 Prozent der Positionen in Geschäftsführungen und Vorständen, in der zweiten Führungsebene sind es 27 Prozent. Diese Zahlenbasis hilft uns bei unserer Arbeit.

An wen richtet sich WIE DACH?

K. Deutelmoser: Auch unser Ansatz hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt: Am Anfang ging es vor allem darum, ein Netzwerk für die Frauen zu schaffen, die in der Messebranche schon Führungspositionen haben. Vor allem auch die wenigen auf der Top-Ebene. Diesen Fokus haben wir inzwischen erweitert: Bei uns kann jede Frau Mitglied werden, die in der Messebranche arbeitet, sich mit Kolleginnen vernetzen und die Position von Frauen in der Branche stärken möchte. Dabei ist es nicht unbedingt notwendig, selbst eine Führungsposition anzustreben, aber man sollte interessiert daran sein, aktiv mitzuarbeiten und das Thema voran zu bringen. Also, liebe Kolleginnen, keine Scheu!

Wir haben inzwischen einige jüngere Mitstreiterinnen, wollen auch gezielt Studentinnen und Absolventinnen ansprechen und denken über ein Mentoring-Programm nach, um jungen Frauen gezielt bei der Karriereplanung helfen zu können. In einigen anderen Chaptern gibt es das bereits.

Birgit Horn, Director A+A und glasstec, Messe Düsseldorf GmbH
Birgit Horn ist seit 2000 bei der Messe Düsseldorf Gruppe. Zuerst war sie als Director of Sales bei der Tochtergesellschaft Düsseldorf Congress, später im Jahr 2009 übernahm sie als Director die Verantwortung für die Messen A + A und glasstec. Vor ihrem Eintritt bei Düsseldorf Congress arbeitete Birgit Horn für einen Veranstalter von Management-Konferenzen in Frankfurt am Main.

Was ist für Sie das wichtigste Argument um neue Mitglieder zu werben?

B. Horn: Der Austausch, d. h. die persönlichen Gespräche mit anderen Frauen über aktuelle Herausforderungen und gemachte Erfahrungen bringen einen aus meiner Sicht unheimlich weiter und sind sehr fruchtbar. Man sieht, man ist nicht alleine, es gibt andere, die die gleichen Erfahrungen gemacht haben und die vor den gleichen Herausforderungen stehen. Daraus kann man möglicherweise für seine Situation etwas lernen oder ableiten. Außerdem bringen verschiedene Sichtweisen auf ein Problem oder eine Fragestellung immer neue Ideen hervor. Gleichzeitig gibt das Gefühl, Teil einer Gruppe zu sein, Mut, sich einzubringen und zu zeigen und die Sicherheit, etwaige Fehlschläge in einem geschützten Raum mit erfahrenen Kolleginnen besprechen zu können.

Welche Angebote macht WIE DACH den Mitgliedern?

B. Horn: Aktuell bieten wir regelmäßige Online-Treffen an. Dabei laden wir abwechselnd zum offenen Austausch über aktuelle Themen und zu einer Veranstaltung mit Fach-Input zu einem bestimmten Thema und anschließendem Austausch ein. Auch hier geht es wieder um die Befähigung, in dem Fall durch konkrete Know-how-Vermittlung. Dabei geht es z.B. um Themen wie Eigenmarketing oder „wie gehe ich eine internationale Karriere an“.

Hilfe bei der Karriereplanung ergibt sich auch ganz automatisch durch die persönlichen Kontakte, die man außerhalb des eigenen Unternehmens knüpft. Der Blick über den Tellerrand des eigenen Unternehmens ist einerseits wichtig für neuen Input und die fachliche Weiterentwicklung andererseits aber genauso für die persönliche Weiterentwicklung. Gerade in Unternehmen mit flachen Hierarchien und geringen Aufstiegsmöglichkeiten muss man um weiterzukommen irgendwann den Schritt in ein anderes Unternehmen wagen. Hierfür gewinnt man im Netzwerk wichtige Einblicke und hört vielleicht auch von interessanten Stellen.

Wie positionieren Sie sich in der Branche? Wie wollen Sie Ihre Ziele vorantreiben?

K. Deutelmoser: Wir sind im Kontakt mit den Verbänden, fordern aber keine Quote sondern setzen auf ein sich wandelndes Mindset und freiwillige Selbstverpflichtungen. Hierzu haben wir kürzlich auch einen offenen Brief an die Messeverbände AUMA und FAMA geschrieben. Denn in den letzten Jahren seit der Gründung des Netzwerks ist zu wenig passiert, im Top-Management der deutschen Messegesellschaften sitzen heute eher weniger Frauen als vor drei Jahren. Manche argumentieren, die Branche habe gerade wichtigere Probleme als eine Frauenquote. Aber wir sind überzeugt davon, dass gerade jetzt der richtige Zeitpunkt ist, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Gerade für die Neuaufstellung nach der Krise braucht unsere Branche alle verfügbaren Kapazitäten. Als z.B. der weltweite Messeverband UFI bei Juliane Jähnke als einer der Gründerinnen des Netzwerk angefragt hat, ob sie einen Roundtable moderieren könnte, der sich mit dem Thema „Frauen“ beschäftigt, haben wir uns für das Thema „Fehlerkultur“ entschieden – in dem Bewusstsein, dass der offene Umgang mit Fehlern und aus Fehlern zu lernen, sicherlich auch eine Stärke von Frauen ist. Wenn diese Einstellung Teil der Unternehmenskultur ist, macht dies das Unternehmen letztlich erfolgreicher.

Gleichzeitig müssen in der Branche neben einigen alten Denkmustern auch strukturelle Hürden überwunden werden, um mehr Frauen den Weg in Führungspositionen zu ermöglichen. Führung in Teilzeit sollte zum Beispiel nicht länger ein Tabu sein. Auch darauf arbeiten wir hin.

Sind Sie als WIE bei der Messe Düsseldorf aktiv und sensibilisieren auch hier für das Thema?

B. Horn: Das ist für uns der nächste Schritt, wenn wir jetzt auch mehr Mitglieder unter den Frauen bekommen (wollen), die aktuell noch keine Führungsposition besetzen. Es ist definitiv ein Ziel, mehr Kolleginnen der Messe Düsseldorf mit Frauen aus anderen Messegesellschaften zu vernetzen, sie zu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen und auch hier die Zahl der Frauen in Führungspositionen zu erhöhen.

Wenn Ihr neugierig geworden seid und euch die Arbeit von WOMEN IN EXHIBITIONS DACH genauer ansehen wollt, oder beitreten möchtet, findet ihr alle Informationen auf https://www.wie-dach.com

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Andrea Eppert
Senior Managerin Corporate Communications bei der Messe Düsseldorf GmbH. Kommunikationsfreak, Leseratte, Pferde- und Nähfan.