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Von Düsseldorf nach China: So kommuniziert das Reich der Mitte

Im September 2018 dreht sich bei der Messe Düsseldorf neben der REHACARE auch einiges um China, denn neben dem in Düsseldorf stattfindenden Chinafest am 15. September, starten auch unsere chinesischen Messen Wire und Tube jeweils am 26. September 2018 in Shanghai.

Die allgemeine Begeisterung für China kommt dabei nicht von ungefähr – als die älteste Hochkultur der Welt mit mehr als 1,3 Milliarden Einwohnern ist es das Land der absoluten Superlative. Unterschiedliche Landschaftsbilder und beeindruckende Sehenswürdigkeiten unterstreichen dies. Die weltweit bewunderten Kunst- und Kulturschätze dürften wohl auch ein Grund für das alljährlich wiederkommende Chinafest in Düsseldorf sein. Hier werden von 10 bis 20 Uhr chinesische Tänze, Artistik und Gesang präsentiert. An den Ständen gibt es zudem Kunsthandwerk, chinesische Leckereien, Sprachkurse und Aktionen für Kinder zum Mitmachen. Aber auch auf chinesischer Seite scheint es eine gewisse Begeisterung für Düsseldorf zu geben: Über 1.000 chinesische Unternehmen sind mittlerweile in Düsseldorf ansässig. Mit 4.200 in Düsseldorf lebenden Chinesinnen und Chinesen ist die Landeshauptstadt gleichzeitig einwohnertechnisch der größte chinesische Standort Nordrhein-Westfalens.

Doch bei all der gegenseitigen Sympathie bleiben kulturelle Unterschiede bestehen, die sowohl im beruflichen als auch privaten Kontext glücklicherweise für genügend Vielfalt sorgen und unseren Alltag dadurch etwas spannender und aufregender machen. Dies gilt auch für die Wire und Tube in Shanghai. Wir vom Messe-Düsseldorf-Blog-Team interessieren uns natürlich besonders für die kulturellen Unterschiede in Sachen Online Marketing und Social Media. Der unterschiedliche Umgang von Chinesen und Europäern mit persönlichen Daten, Kommunikation und Privatsphäre fällt dabei sofort ins Auge. Das beste Beispiel dafür ist unserer Meinung nach die Nutzung von WeChat, mittlerweile sogar schon China-App genannt.

Für die meisten Chinesen ist WeChat zu einem festen Bestandteil ihres Lebens geworden. Der Dienst des südchinesischen Konzerns Tencent vereint viele Funktionen wie Videotelefonie, Sprachnachrichten, Chat sowie Foto-Bearbeitung und fügt diesem Mix neue Ideen hinzu. Der sagenhafte Aufstieg der App ist zu einem Großteil auf die Bezahlfunktion WeChat Pay zurück zu führen. User müssen dazu lediglich ihre Bank- oder Kreditkarte mit der App verbinden und per QR-Code-Scan bezahlen. Und das Ganze ohne WeChat zu verlassen. WeChat hat sich in China ein Ökosystem mit mehr als 700 Millionen Nutzern geschaffen. Generell stehen den Chinesen aber auch nicht so viele verschiedene soziale Netzwerke und Chatplattformen zur Verfügung wie z. B. den deutschen Usern. WhatsApp und Co. sind in China auch nur eingeschränkt verfügbar.

Dabei profitiert nicht nur WeChat, sondern auch Unternehmen. Für 80 % der Unternehmen in China ist WeChat das wichtigste arbeitsbezogene Kommunikationstool und auch für unsere chinesischen Kollegen gehört es längst zum Arbeitsalltag. Sie nutzen so genannte WeChat officalAccounts um ihre Messen zu bewerben und erreichen damit viele potenzielle Kunden, wofür wir in Deutschland unter anderem auf Facebook oder Instagram setzen (Quelle). Den WeChat-Account für die weltweiten Tube Messen nutzen zum Beispiel mehr als 4.500 unser chinesischen Kunden, der Account der wireChinaExpo hat sogar rund 12.000 Follower. Wer also in der Volksrepublik erfolgreich mit seinen Kunden interagieren will, muss wissen wie die App funktioniert. Für Kommunikationsentscheider außerhalb Chinas lohnt sich ein Blick darauf deshalb ebenso, eröffnet die App doch gewissermaßen den chinesischen Marktzugang (Quelle).

Weil WeChat als einer der ersten Messenger-Dienste Unternehmens- und Privatkommunikation in einer App verknüpft, werden die Grenzen zwischen Privatem und Beruflichen in China immer verschwommener: Die Anwender tauschen sich in der App mit ihren Freunden aus, in der sie gleichzeitig mit Marken interagieren. Dementsprechend ist die Aufmerksamkeit der User um ein Vielfaches höher und Marken werden dadurch zu integralen Bestandteilen des eigenen Lebens. Das haben auch Unternehmen erkannt, weswegen ein großer Teil von ihnen auf WeChat aktiv ist (Quelle).

In Deutschland ist WeChat dagegen kaum vorzufinden. Dies ist auch nicht weiter verwunderlich, da viele WeChat-Kanäle schlichtweg auf Chinesisch sind. Gleichzeitig scheint die deutsche Bevölkerung etwas vorsichtiger im Umgang mit der Weitergabe privater Daten zu sein. Aber auch auf dem europäischen Markt scheint ein Umdenken bei den Usern stattzufinden; WhatsApp Business soll es nun Unternehmen erlauben mit ihren potenziellen Kunden via Chat in Kontakt treten zu können und findet dementsprechend seit 2018 auch immer mehr Anwendung (Quelle). Es zeigt sich auch hier: Die Fans/Follower sind da, wo ihre Freunde auch sind. Und in Europa sind die eben eher bei WhatsApp, Facebook und Instagram als bei WeChat.

Aber auch die Kommunikation innerhalb der Apps und sozialen Netzwerken scheint sich erheblich zwischen chinesischen und deutschen Zielgruppen zu unterscheiden. WeChat-Geflechte sind viel kleiner und persönlicher als das Freunde-Netzwerk bei Facebook. Zusätzlich bewegen sich WeChat-User eher in der eigenen, selbst erschaffenen Umgebung anstatt wie bei Instagram anderen Accounts öffentlich zu folgen.

Während wir also in Deutschland beruflich noch fleißig E-Mails schreiben und Chats eher für private Zwecke nutzen, wird im asiatischen Raum alles in einer mobilen Anwendung gebündelt. Dadurch vermischen sich hier die Grenzen zwischen Privatleben und Beruf immer mehr, was zu einer 24/7-Erreichbarkeit vieler Chinesen führt. Ob man das gut findet oder nicht, hängt vermutlich wieder mit der eigenen Kultur zusammen. 🙂

Wie steht ihr dazu? Sollte es auch bei uns eine Art WeChat geben oder welche Social-Media-Kanäle nutzt ihr am liebsten?

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