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Helau, Alaaf oder einfach „Helaaf“

„Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“ hat Johann Wolfgang von Goethe bereits gewusst. So ähnlich kann ich meine Situation als Exilkölner in Düsseldorf auch beschreiben, wenn es wieder auf Wieverfasteloovend / Weiberfastnacht zugeht. In der Nähe von Köln geboren und aufgewachsen, ist mir die Karnevalskultur bereits in die Wiege gelegt worden. Kindergarten, Schule und Verein, überall ist mir die fünfte Jahreszeit nicht nur begegnet, sondern ich habe sie auch gelebt und lieben gelernt.

Und dann das. Ich habe bei der Messe in Düsseldorf angefangen zu arbeiten. In der verbotenen Stadt. Auf der schääl sick. Puh!!! Diese Tatsache im Familien und Freundeskreis zu vertreten war eine Mammutaufgabe. Denn obwohl ich früher bei „De Stroßefäjer“ am lautesten mitgesungen habe, die Witze über Düsseldorf immer brüllend komisch fand und mir schon als kleiner Junge geschworen hatte, nie im Leben auch nur ein einziges Glas Altbier zu trinken, trat das Undenkbare ein: Mein Umzug nach Düsseldorf.

Düsseldorf vs. Köln

Denn es gibt sie wirklich, die Unterschiede zwischen den beiden rheinische Metropolen: Köln hat die besseren Karnevalslieder, Düsseldorf dafür die politischeren Mottowagen, die am Rosenmontag durch die Stadt fahren. Während das eine Bier als Limo verschrien ist und aus Reagenzgläsern getrunken wird, genießt der Düsseldorfer das dunklere Gebräu aus alten Bechergläsern. In der Altstadt feiern oder auf den Ringen. Kö oder Zülpicher. Burgplatz oder Heumarkt. Fortuna oder FC. Alaaf oder Helau.

Diese Unterschiede werden vor allem in der Karnevalskultur der einzelnen Städte immer wieder auf die Spitze getrieben und Witze auf Kosten der Nachbarn gemacht. Aber plötzlich kommt dieses Mantra in meinen Kopf hoch, wie meine Eltern gebetsmühlenartig und meine Schwester, mit der ich früher ab und zu selber im Clinch lag, sagten: Lasst es sein, es gibt schon genug Zoff auf der Welt! Und nach fünf Jahren, die ich nun in Düsseldorf wohne und arbeite darf ich behaupten: Egal ob Köln oder Düsseldorf. Eigentlich sind wir doch alle jeck.

Guppenkostüm "Browser" mit den Kollegen aus dem Marketing Guppenkostüm „Browser“ mit den Kollegen aus dem Marketing

Und das stimmt, vor allem in der heutigen Zeit. Wir sollten nicht schauen, was der Eine besser kann oder der Andere schlechter, wo der eine Defizite hat und der andere brilliert. Wir sollten uns als Rheinländer zusammenschließen und gemeinsam den Karneval als Zeichen in die Welt senden, an dem jeder sein kann, was er für fünf tolle Tage sein möchte.

Viele Gemeinsamkeiten

Vater Rhein, Veedelsumzüge, Stunksitzung, Mettbrötchen, Schunkeln und Bützen. Krawatten abschneiden, gemeinsam feiern, tanzen und singen. Dem Prinzenpaar oder dem Dreigestirn einen schmetternden Empfang bereiten. Traditionen pflegen, Karnevalssitzungen besuchen mit ihren unvergleichlichen Mischungen aus Tanzgruppen, Büttenrednern, Musikcorps und 11er Rat. Für einen Abend die Welt vergessen. Der schönste Platz ist überall an der Theke. Gemeinsam in vor der Kneipe stehen, mit wildfremden Menschen in den buntesten Kostümen ins Gespräch kommen und nach dem zweiten Bier miteinander den gesamten Abend verbringen. Kamelle rufen, fangen, tauschen und vergleichen. Schreckliche Vampire, abgehärtete Schotten, bunte Clowns und geheimnisvolle Pantomimen kennenlernen. Freude am Leben und Freude am gemeinsamen Feiern haben. Immer weltoffen, immer mit einem Lächeln im Gesicht, um auch den verdutzten Touristen, der sich an Karneval in unsere schönen Städte verirrt, einfach anzusprechen, einzuladen und zur nächsten Feier mitzunehmen.

Das alles können wir gemeinsam, wir Düsseldorfer und Kölner, Bonner und Mainzer, Wuppertaler oder Öcher. Miteinander und nicht gegeneinander. Und so rufe ich nicht nur in Richtung Köln, nein sogar in die ganze Welt ein dreifach kräftiges:

Helaaf! Auf einen schönen Fasteloovend!

Matthias Hochscheid
Matthias Hochscheid
Senior Marketing Manager bei der Messe Düsseldorf GmbH. Digitaler Revolutionär, Sender/Empfänger und Musikliebhaber (aktiv/passiv).
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