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Karneval in Düsseldorf – traumhaft jeck!

In der Schule habe ich mal gelernt, dass das Wort „Karneval“ von „carne vale“ abstammt, was so viel bedeutet, wie „Fleisch, lebe wohl!“. Ob das nun auch alles so stimmt, vermag ich nicht zu sagen. Aber immerhin beschreibt es für mich ganz gut den ursprünglichen Sinn des närrischen Geschehens: Noch mal „ordentlich einen drauf machen“, bevor die österliche Fastenzeit – und damit die (zumindest früher) fleischlose Zeit – beginnt.

Als gebürtige Bonnerin gehöre ich zu den Glücklichen, die das Karnevalsgen sozusagen schon mit in die Wiege gelegt bekommen haben. Für alle Nicht-Rheinländer und Nicht-Karnevalisten ist es aber manchmal gar nicht so leicht, sich auf diese feucht-fröhliche rheinische Ausgelassenheit einzulassen und auf Kommando allen Ernst des Lebens abzuschütteln. „Wenn et Trömmelche jeht“ und dann „en unserem Veedel“ die Post abgeht, machen sich einige lieber aus dem Staub und gehen Skifahren oder suchen anderweitig das Weite.

Wer sich als „Außenstehender“ aber einfach einmal auf den rheinischen Karneval einlässt und sich traut mitzumachen, der wird schnell merken, dass er plötzlich mitten drin ist und dann vielleicht mit einem Piraten tanzt, mit einem Clown schunkelt, lautstark die Refrains der Karnevalslieder mitsingt oder sogar von der schönen Prinzessin gebützt wird.

Nun bin ich, wie schon erwähnt, auch eine „zugezogene“ Düsseldorferin und musste mich erst einmal in die örtlichen Traditionen und Befindlichkeiten einfinden. Eins meiner ersten Karnevalserlebnisse in Düsseldorf hatte ich dann aber ausgerechnet in einer Kölschkneipe im Düsseldorfer Medienhafen (man stelle sich das einmal umgekehrt vor: eine Altbierkneipe in Köln!). Doch nach 10 Jahren in Düsseldorf bin ich mittlerweile voll integriert, wie es so schön heißt, und konnte in dieser Zeit schnell feststellen, dass es beim Feiern zwischen Bonn und Düsseldorf gar nicht so viele Unterschiede gibt. Das einzige, worauf man in Düsseldorf achten muss: Der Karnevals-Allround-Urschrei heißt hier „Helau“ wie in Mainz und Koblenz und nicht „Alaaf“ wie in Köln und Bonn. Wenn man diese einfache Regel beachtet, dann wird schon nichts schiefgehen!

Nun steht mit dem „Altweiber“-Donnerstag aktuell ein besonderer Höhepunkt des Karnevals vor der Tür. Um 11.11 Uhr übernehmen die Möhnen („alte“ Frauen) für einen Tag das närrische Regiment. Sie stürmen das Rathaus und überrumpeln den jeweils amtierenden Oberbürgermeister. Außerdem machen mit Scheren bewaffnete Damen Jagd auf Männerkrawatten (Achtung: an diesem Tag nur alte und hässliche anziehen!). Als Entschädigung für die zerstörte Krawatte gibt es aber immerhin ein „Bützchen“.

Und auch bei der Messe Düsseldorf wird Altweiber natürlich ausgiebig gefeiert: Ab 11.11 Uhr muss das Business der Tradition weichen und sich erst einmal hinten anstellen. Denn wer das ganze Jahr hart arbeitet, darf auch mal ordentlich feiern! Wichtiger Bestandteil der Feier ist selbstverständlich auch eine anständige Kostümierung. Die originellsten und schönsten Kostüme erhalten sogar einen kleinen Preis und werden besonders bewundert. Rosenmontag haben wir bei der Messe übrigens frei (danke lieber Betriebsrat und liebe Geschäftsführung!) – also bitte nicht böse sein, wenn keiner zurückruft.

Der närrische Kalender beginnt in Düsseldorf aber eigentlich schon im Vorjahr mit dem Erwachen des „Hoppeditz“ am 11.11. um 11.11 Uhr. Der Hoppeditz – der Düsseldorfer „Erzschelm“ schlechthin – eröffnet dann vor tausenden Narren auf dem Rathausplatz die Karnevals-Session und liefert sich aus einem Senftopf heraus mit dem jeweiligen Oberbürgermeister ein lustiges Wortgefecht. Das Motto der diesjährigen Session lautet übrigens „traumhaft jeck“.

Bis zum Beginn des Straßenkarnevals an Altweiber schlägt dann die Stunde der organisierten Karnevalisten mit der Kür des Prinzenpaares und dem Sitzungskarneval in allen möglichen Facetten. Wer einmal wissen möchte, was bei einer Düsseldorfer Karnevalssitzung so los ist, der hat am 11.2.2015 die Möglichkeit, sich im Fernsehen die große ARD TV-Sitzung aus der Düsseldorfer Stadthalle anzuschauen. Dort kann man dann auch schon einmal einen Blick auf das Düsseldorfer Prinzenpaar werfen, die auf ihrer Tour durch die Sitzungssäle und Veranstaltungen unter großem „Helau“ die Huldigungen ihrer närrischen Untertanen entgegennehmen. Apropos Prinzenpaar: Hier gibt es auch noch eine Düsseldorfer Besonderheit: Neben dem wohlbekannten Prinz Karneval regiert in Düsseldorf eine „Venetia“, eine holde Schönheit, deren Tradition auf Anna Maria Luisa de’ Medici – letzte Repräsentantin der Medici-Familie aus Florenz und Ehefrau des berühmten Düsseldorfer Kurfürsten Jan Wellem – zurückgeht.

„Dä Zoch kütt!“ heißt es, wenn das närrische Treiben dann Rosenmontag in dem großen Karnevalsumzug durch die Düsseldorfer Innenstadt gipfelt, der übrigens auch immer live im Fernsehen übertragen wird. Hier sind neben den vielen bunten Fußgruppen, Musikkapellen und Karnevalsvereinen besonders die bissigen und politisch hochaktuellen Motivwagen des Düsseldorfer Künstlers Jaques Tilly ein besonderer Hingucker. Wobei man sich als Kind wohl eher auf die Tonnen an Süßigkeiten freut, die als Kamelle-Regen auf die Menge prasseln.

Von Altweiber bis Aschermittwoch beweisen die Düsseldorfer und ihre Gäste wieder, warum die Düsseldorfer Altstadt den Titel „längste Theke der Welt“ trägt. Es gibt dann kaum eine Kneipe, aus der nicht jecke Töne erklingen. An Aschermittwoch ist dann aber wirklich alles vorbei, der Hoppeditz wird unter großem Wehklagen zu Grabe getragen und der Ernst des Lebens geht weiter. Bis zum 11.11., wenn alles wieder von vorne beginnt…

Jetzt sind wir natürlich neugierig, ob und wie Ihr Karneval feiert: Habt Ihr spezielle Traditionen? Als was verkleidet Ihr Euch? Oder habt Ihr mit dem ganzen Brauchtumsjedöns nichts am Hut und sucht lieber das Weite? Wir freuen uns auf Eure Kommentare! Vielleicht sogar mit Bild im Kostüm? Ich werde dieses Jahr ein Zebra sein:

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Bildnachweis: © Düsseldorf Marketing & Tourismus GmbH; privat

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